Ein interaktives Plakat macht Lautstärke sichtbar

Auf dem ersten Soundlounge-Event der Werbe- und Marketingagentur BBDO hat am 25. August ein neues Medium im Düsseldorfer Cafe del Sol Premiere gefeiert. Ein Plakat, das auf akustische Signale reagiert – das Soundlounge-Plakat.

Entwickelt wurde dieses Medium zusammen mit dem IOX Lab, einem Düsseldorfer Unternehmen, das sich auf das Internet Of Things (IOT) und die Technologie dahinter spezialisiert hat. Robert Jänisch, Gründer von IOX Lab, präsentierte die Neuheit vor etwa 400 Gästen: „Die Anforderungen von BBDO an uns waren groß: Es sollte ein Print-Plakat sein, das aber außerdem als interaktives Medium funktioniert„.

Hinter der weißen, drei Zentimeter dicken Oberfläche aus Papier verbirgt sich die Technik. Jänisch nennt das Prinzip „mikroskopisches Rückprojektionsverfahren“. Dafür wird ein Mikrofon und ein kleiner Prozessor (Mikrocontroller) in das Plakat integriert. Die Lautstärke der Umgebung wird gemessen und an Sensoren übertragen, die die Töne sichtbar machen. Ähnlich wie ein EKG, das Herztöne aufzeichnet, wird jedes Geräusch in Bilder umgewandelt. Je lauter man klatscht oder ruft, desto mehr Bildteile des Plakats leuchten auf. Sobald man wieder still ist, erlischt das Motiv.

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Die technischen Herausforderungen lagen für Jänisch und sein Team vor allem in der notwendigen Robustheit der Elektrotechnik, denn das Plakat soll laut Angaben von BBDO auch im öffentlichen Raum bestehen. Bisher gab es allerdings noch keinen Test, ob das Material auch unter freiem Himmel und für einen längeren Zeitraum widerstandsfähig genug ist. Der Marktforscher Daniel Merkes von awk Outdoor Media sieht das kritisch: „Die elektronischen Bestandteile werden schnell kaputt gehen, vor allem wenn sie der Witterung oder Vandalismus ausgesetzt sind.“ Das im Vergleich zu normalen Plakaten empfindlichere Medium könne daher zunächst unter Brücken oder in überdachten Bereichen, etwa Bushaltestellen, hängen, sagt Jänisch. Er betont weiterhin, dass noch daran getüftelt werde, „die komplexen technischen Anforderungen des Plakats in unseren Alltag zu integrieren“.

Andere Unternehmen haben bereits Werbeplakate digitalisiert. Seit etwa fünf Jahren gibt es immer wieder Ansätze, das Medium mit technischen Hilfsmitteln zu etablieren. So warb die Bierbrauerei Beck’s diesen Sommer für das The Listing Post Festival in Neuseeland mit dem ersten Plakat, das Musik abspielen kann. Auch für Mercedes-Benz wurde dieses Jahr eine Besonderheit entwickelt: Die Agentur Elephant Seven (e7) brachte das weltweit erste sogenannte Holo-Plakat auf die Straßen Berlins, das sich an das im Internet beliebte Smartphone-Hologramm orientiert und den toten Winkel beim Autofahren anschaulich zeigt.

Digitale Plakate haben enormes Potenzial“, gibt sich Merkes zuletzt optimistisch. „Sound und visuelle Effekte sind zwar jeck, aber nur Spielerei. Das reicht nicht.“ Das Soundlounge-Plakat kann er sich noch nicht auf den Straßen in Köln und Bonn vorstellen. Ob das neue Medium demnächst für Werbekampagnen in Großstädten verwendet wird oder irgendwann im ganzen Rheinland seinen Platz findet, wird sich noch zeigen.

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