Weltklimagipfel (COP22): Nationaler Klimaschutzplan wurde beschlossen

Hitzewellen, steigender Meeresspiegel, Überflutungen und gleichzeitig Wassermangel, Veränderung von Vegetation, eine steigende Durchschnittstemperatur auf der Erde. Der Klimawandel bringt etliche Probleme mit sich. Genau diese Pobleme sollen auf dem Weltklimagipfel in Marokko, der vom 07. – 18. November läuft, angegangen werden. Der Klimaschutzplan 2050 ist das große Ziel – er könnten die Weichen für den globalen Klimaschutz stellen. Doch aktuell sieht es nach einem Kompromiss aus, der hinter den ambitionierten Zielen zurück bleibt.

Bei der Weltklimakonferenz im Dezember 2015 in Paris haben sich bereits 195 Staaten auf ein weltweit bindendes Klimaschutzabkommen verständigt. Es soll das Kyoto-Protokoll ablösen, das im Jahr 2020 ausläuft und von vielen Staaten nie rechtlich bindend anerkannt worden ist. Beim 21. Weltklimagipfel (COP21) ist vor einem Jahr unter anderem Folgendes beschlossen worden:

  • Die Erde darf sich um höchstens zwei Grad Celsius erwärmen (besser nur um 1,5 Grad Celsius)
  • in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sollen die schädlichen Treibhausemissionen weltweit bei Null liegen
  • die Staaten sollen bei der Energiegewinnung auf erneuerbare Energien umsteigen
  • die Industrieländer unterstützen die vom Klimawandel oftmals besonders betroffenen Entwicklungsländer mit 100 Milliarden US-Dollar jährlich

Insgesamt haben das Pariser Abkommen von 195 Staaten inzwischen mehr als 70 Länder ratifiziert, also rechtlich bindend zugesagt. In diesen Ländern werden etwa 57 Prozent aller Treibhausgase ausgestoßen. Unter diesen Bedingungen kann das Pariser Klimaabkommen am 04. November in Kraft treten. Nach langem Streit zwischen Kanzlerin Merkel, Wirtschaftsminister Gabriel und Bundesumweltministerin Hendricks gab es eine Einigung auf den „Klimaschutzplan 2050“.

Der Klimaschutzplan 2050 soll nun aufzeigen, welchen Beitrag Deutschland zum internationalen Klimaziel leisten will, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Einen ersten Entwurf hatte Hendricks bereits im April vorgelegt. Seitdem hat sie viele konkrete Ziele und Maßnahmen schon gestrichen, vor allem auf Wunsch des Wirtschaftsministeriums und des Kanzleramts. (Quelle: zeit.de)

Germanwatch kritisiert das gesetzte Langfristziel für 2050 als widersprüchlich: „Einerseits wird mit gutem Grund für die EU ein Emissionsziel von 95 Prozent unter dem Niveau von 1990 verlangt. Für Deutschland aber, das wegen seiner überdurchschnittlichen Pro-Kopf-Emissionen und der starken Wirtschaftskraft ambitionierter vorgehen müsste, deutet man nur in der Präambel die Bereitschaft an, über die alte Bandbreite von 80 bis 95 Prozent hinauszugehen. Das ist unehrlich und stärkt die Illusion bei manchen CO2-Emittenten, dass sie im Großen und Ganzen so weitermachen können wie bisher.“

Kritik kommt weiterhin von deutschen Klimaexperten wie Jan Kowalzig von der Hilfsorganisation Oxfam: „Mit diesem Plan dürfte es schwierig werden, Deutschland bis 2050 weitgehend treibhausgasneutral zu machen“ – wie es eigentlich das Ziel sei. „Das größte Versäumnis ist, dass der Plan den Kohleausstieg nicht mehr enthält. Das Einknicken von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel vor der Kohlelobby macht den Übergang zu erneuerbaren Energien und eine sozial verträgliche Abkehr von der Kohle unnötig schwierig.“

Es gibt aber auch Lob für Deutschland. Laut Klimaretter.info wird es vor allem positiv aufgefasst, dass der Plan „Zwischenziele für das Jahr 2030, aufgeschlüsselt nach individuellen Sektoren wie Energie, Industrie, Transport, Gebäude und Landwirtschaft“ enthält. Denn dies gebe „Bürgern, Firmen und Investoren die Klarheit, die sie brauchen“.

Letztlich ist Klimaschutz nicht nur eine Angelegenheit der UN-Länder selbst. Auch Großanleger aus der Wirtschaft können Treibhausgase wie CO2 eindämmen – zumindest indirekt. Sie müssen der Ankündigung, nicht mehr Milliarden in Kohle oder Öl zu investieren, aber Taten folgen lassen. Erste Projekte sind angeschoben. Doch es bleibt viel zu tun.

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In eigener Sache: Magazin „0341 – Stadt & Technik: Leipzig“

Was das Technikjournalismus-Studium so mit sich bringt: Projektwochen, in denen nicht nur Ideen entstehen und besprochen – sondern auch realisiert werden!

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Etwa drei Wochen Recherche-Arbeit stecken in dem Magazin: Themen finden, erste Anfragen absenden, Interviews führen, Redaktionssitzungen, kritischer Blick auf die Heftstruktur, gründlicher Faktencheck und schließlich eine Woche in Leipzig verbringen und schreiben, schreiben, schreiben.

Dabei haben sich verschiedenste Blickwinkel auf technische Aspekte der Stadt ergeben, unter anderem:

  • Ein Eiffelturm für Leipzig – Der neue Funkturm
  • Reportage über Musikinstrumente in der DDR
  • Interview mit Designer Rudolf Horn am Grassi-Museum
  • Leipzig ist helle – Über die Neonreklame der Löffelfamilie

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Außerdem Bildreportagen, analoge Photoautomaten, Mitfahrgelegenheiten für Pakete, Umnutzung von alten Hallen für Kunst und Kultur, eine Fahrradmanufaktur und und und…

Gedruckte Exemplare sind übrigens weiterhin zu bekommen! Schreibt mir bei Interesse einfach eine Mail und gegen eine Portospende bekommt ihr ein kostenloses Magazin zugeschickt.

 

Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg hat uns bei den Druck- und Reisekosten finanziell unterstützt und dafür möchte ich mich stellvertretend als CvD herzlich bedanken.

Ein interaktives Plakat macht Lautstärke sichtbar

Auf dem ersten Soundlounge-Event der Werbe- und Marketingagentur BBDO hat am 25. August ein neues Medium im Düsseldorfer Cafe del Sol Premiere gefeiert. Ein Plakat, das auf akustische Signale reagiert – das Soundlounge-Plakat.

Entwickelt wurde dieses Medium zusammen mit dem IOX Lab, einem Düsseldorfer Unternehmen, das sich auf das Internet Of Things (IOT) und die Technologie dahinter spezialisiert hat. Robert Jänisch, Gründer von IOX Lab, präsentierte die Neuheit vor etwa 400 Gästen: „Die Anforderungen von BBDO an uns waren groß: Es sollte ein Print-Plakat sein, das aber außerdem als interaktives Medium funktioniert„.

Hinter der weißen, drei Zentimeter dicken Oberfläche aus Papier verbirgt sich die Technik. Jänisch nennt das Prinzip „mikroskopisches Rückprojektionsverfahren“. Dafür wird ein Mikrofon und ein kleiner Prozessor (Mikrocontroller) in das Plakat integriert. Die Lautstärke der Umgebung wird gemessen und an Sensoren übertragen, die die Töne sichtbar machen. Ähnlich wie ein EKG, das Herztöne aufzeichnet, wird jedes Geräusch in Bilder umgewandelt. Je lauter man klatscht oder ruft, desto mehr Bildteile des Plakats leuchten auf. Sobald man wieder still ist, erlischt das Motiv.

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Die technischen Herausforderungen lagen für Jänisch und sein Team vor allem in der notwendigen Robustheit der Elektrotechnik, denn das Plakat soll laut Angaben von BBDO auch im öffentlichen Raum bestehen. Bisher gab es allerdings noch keinen Test, ob das Material auch unter freiem Himmel und für einen längeren Zeitraum widerstandsfähig genug ist. Der Marktforscher Daniel Merkes von awk Outdoor Media sieht das kritisch: „Die elektronischen Bestandteile werden schnell kaputt gehen, vor allem wenn sie der Witterung oder Vandalismus ausgesetzt sind.“ Das im Vergleich zu normalen Plakaten empfindlichere Medium könne daher zunächst unter Brücken oder in überdachten Bereichen, etwa Bushaltestellen, hängen, sagt Jänisch. Er betont weiterhin, dass noch daran getüftelt werde, „die komplexen technischen Anforderungen des Plakats in unseren Alltag zu integrieren“.

Andere Unternehmen haben bereits Werbeplakate digitalisiert. Seit etwa fünf Jahren gibt es immer wieder Ansätze, das Medium mit technischen Hilfsmitteln zu etablieren. So warb die Bierbrauerei Beck’s diesen Sommer für das The Listing Post Festival in Neuseeland mit dem ersten Plakat, das Musik abspielen kann. Auch für Mercedes-Benz wurde dieses Jahr eine Besonderheit entwickelt: Die Agentur Elephant Seven (e7) brachte das weltweit erste sogenannte Holo-Plakat auf die Straßen Berlins, das sich an das im Internet beliebte Smartphone-Hologramm orientiert und den toten Winkel beim Autofahren anschaulich zeigt.

Digitale Plakate haben enormes Potenzial“, gibt sich Merkes zuletzt optimistisch. „Sound und visuelle Effekte sind zwar jeck, aber nur Spielerei. Das reicht nicht.“ Das Soundlounge-Plakat kann er sich noch nicht auf den Straßen in Köln und Bonn vorstellen. Ob das neue Medium demnächst für Werbekampagnen in Großstädten verwendet wird oder irgendwann im ganzen Rheinland seinen Platz findet, wird sich noch zeigen.