#FragNestlé – von Palmöl, Wasserrechten und PR durch Social Media

Shitstorm-Desaster oder clevere PR Kampagne?

Nestlé ist ein Nahrungsmittelkonzern mit Imageproblemen. Es gibt zahlreiche Vorwürfe hinsichtlich der Privatisierung von Wasser durch Aufkauf von Wassernutzungsrechten in armen Ländern, Rodung der Regenwälder für Palmöl-Gewinnung, ungenügend deklarierte und giftige Inhaltsstoffe in Produkten, unnötig große Mengen Müllaufkommen für Produktverpackungen wie Kaffeekapseln von Nespresso und und und…

Am Montag hat Nestlé bei Twitter über den Hashtag dazu aufgerufen, Fragen zum Unternehmen zu stellen. „Wir stellen uns schon seit Jahren dem Dialog mit unseren Verbrauchern“, verkündete der der Nahrungsmittelkonzern. Seit Mitte des Jahres gibt es auf der Firmenwebseite bereits die Rubrik „Frag Nestlé“ – um auf dieses Angebot aufmerksam zu machen, wurde der dazugehörige Hashtag ins Leben gerufen. Daraufhin wurden die User aktiv und kreativ, um ihre Kritik an Nestlé schonungslos in 140 Zeichen zu verpacken. 4000 Tweets in 24 Stunden mit Nachrichten wie z.B.:

„warum hasst ihr Regenwälder? Warum liebt ihr Kinderarbeit? Warum habt ihr ein Monopol für Schokolade und Wasserflaschen?“

„Warum wird das Wasser vom trockensten Kontinent nach Europa verkauft anstatt es den Menschen dort zu lassen?“

„Warum seid ihr nicht so ehrlich, u schreibt auf eure Produkte „Kann Spuren von Kinderarbeit u Privatisierungswahn enthalten“?“

Die Kommunikations-Abteilung von Nestlé war allerdings gut vorbereitet auf die kritischen Fragen und hat bereits einen großen Teil davon beantwortet (innerhalb von 24h hat das Team 1.400 Fragen beantwortet). So viel Social Media Kompetenz lässt das Ganze eher nicht nach PR Desaster aussehen. Eine direkte Image-Kampagne zugunsten von Nestlé stellt man sich zwar anders vor, laut Media-Experte Thomas Koch war „der Gang in die Öffentlichkeit wohl überlegt“ (Quelle: Berliner Morgenpost). Der Zeitpunkt für die Twitter-Aktion des Konzerns ist geschickt gewählt, denn am Montag sendete der ARD einen kritischen Nestlé-Check. Passenderweise sicherte sich Nestlé dazu das Trending Topic #FragNestlé, um proaktiv auf dem Social Media Kanal präsent zu sein. Bereits im Vorfeld der Sendung habe man so das Signal zur Kommunikation geben wollen.

Die Aktion auf Twitter ist demnach als Teil der Kommunkationsstrategie von Nestlé zu bewerten. Auf Twitter hat man Reichweite, wird gelesen und bekommt Aufmerksamkeit. Aber für einen tieferen Dialog ist die Plattform nicht geeignet. Deutlich wird das in den Antworten von Nestlé, in denen häufig nur ein Link zur eigenen Firmen-Webseite getweetet wird. Was soll man in 140 Zeichen auch unterbringen? Möglicherweise ein Kalkül von Nestlé? Gemessen am Traffic hat sich die Aktion bezahlt gemacht. „60 % der Besucher kamen über Twitter und der Traffic bei Nestlé ist um das Zehnfache angestiegen“, schreibt Jan Firsching bei Futurebiz.

Der Versuch, transparent mit den Nachfragen umzugehen, ist zunächst einmal löblich. Die Aktion #FragNestlé ist gut geplant und vorbereitet, zu diesem Ergebnis kommt auch Kommunikationsexperte Christof Fischoeder. Er erklärt, dass Nestlé in Dialogbereitschaft tritt und eigene Aussagen zu den Kritikpunkten verbreitet. Damit wird aus einer „potentiell kritischen Kommunikationssituation ein kontrollierter Prozess“. Und das funktioniert auch. Für die am häufigsten gestellten Fragen wurden im Vorfeld einzelne Unterseiten angelegt. Diese Seiten werden jetzt fleißig als Antworten getwittert. Ein weiteres Indiz dafür, dass Nestlé genau wusste, worauf sie sich einlassen.

Letzten Endes ist für alle die sich mit Social Media beschäftigen ein sehr interessanter Case. Gesponserte Hashtags, Reaktionen von Influencern, Trolle, Shitstorm, Krisenmanagement. Alles ist mit dabei.

Zum Abschluss noch ein weiterer interessanter und informativer Artikel vom MUNICH DIGITAL INSTITUTE. Im Rahmen ihres Healthcare Footprint haben sie sich über Monate mit Web-Nutzern und Lebensmitteln beschäftigt. Vor diesem Hintergrund haben sie die Nestlé Twitter-Aktion aufbereitet und geben ihre Einschätzung zu dem Social Media Coup ab (mit Fragen an Alexander Antonoff, Vice Head of Corporate Communications bei Nestlé Deutschland).

Ecosia: die CO2 neutrale Google – Alternative pflanzt Bäume

Jede Suche im Netz verbraucht Rechenleistung und damit Strom, welcher meist aus fossilen Quellen stammt. Die grüne Suchmaschine Ecosia will das wieder ausgleichen und spendet 80 Prozent ihrer Werbeeinnahmen für die Wiederaufforstung.

Ecosia funktioniert dabei wie jede andere Suchmaschine auch, erklärt Firmengründer Christian Kroll. Das heißt, neben den Suchergebnissen erscheinen von Firmen gesponsorte Links, also Werbung. Mit jedem Klick auf so einen Link verdient die Suchmaschine ihr Geld. Die Suchtechnik und die Ergebnisse selbst kommen von der Microsoft-Suchmaschine Bing und Yahoo, mit denen Ecosia zusammen arbeitet. Im Unterschied zu anderen Search Engines spendet Ecosia 80 Prozent des verdienten Betrags.

Im Dezember 2009 wurde Ecosia von Kroll als Social Business gegründet. Ihm geht es nicht um die Erwirtschaftung von Gewinnen, nach eigener Aussage möchte er „Spendenoptimierung“ betreiben und ist dabei unabhängig von den Kooperationspartnern. Momentan hat Ecosia etwa 2.485.000 aktive Nutzer, die täglich rund 720.000 Suchanfragen aufgeben (zum aktuellen Stand unter „Ecosia in Zahlen“ scrollen). Pro Suchanfrage verdient Ecosia etwa 0,5 Cent mit Werbung, das macht bei rund 720 000 Suchanfragen pro Tag also etwa 3600 Euro. Außerdem bietet die grüne Suchmaschine noch spezielle Links an, sogenannte EcoLinks. Diese führen zu Verkaufsseiten. Wenn ein Nutzer über Ecosia auf solch eine Seite kommt und dort etwas bestellt, bekommt Ecosia eine Provision, die widerum gespendet wird.

Beginnend mit der Gründung im Dezember 2009 bis August 2013 hat Ecosia das Regenwaldschutzprojekt vom WWF unterstützt und zur Wiederaufforstung des Regenwaldes im Amazonas, Brasilien beigetragen. Im Anschluss hat sich Ecosia auf das „Plant a Billion Trees“-Programm der Nature Conservancy konzentriert. Seit Januar 2015 spendet Ecosia für das „Greening the desert“-Projekt von WeForest, um aus dem trockenen Ödland in Burkina Faso, West-Afrika, wieder grüne Savanne zu machen. Es kostet 28 Cent, dort einen Baum zu pflanzen. Insgesamt wurden seit der Tätigkeit des Unternehmens 2009 bereits 2.664.442 Bäume gepflanzt, alle 16 Sekunden ein Baum. Ein großer Erfolg.

Kritiker monieren unterdessen, dass es keine klimaneutrale „grüne“ Suchmaschine geben könne. Die Server, über die die Suchen laufen, verbrauchen enorm viel Strom. Dadurch wird Kohlendioxid ausgestoßen, eine der umweltschädlichsten chemischen Verbindungen in der Atmosphäre. Laut Kroll werden die Server, auf denen Ecosia.org läuft, ausschließlich mit erneuerbaren Energien betrieben. Weiterhin unterstütze das Unternehmen Projekte, die den Ausstoß von CO2 weltweit verringern. Einziger Minuspunkt hierbei in Sachen Transparenz sind die ungenauen Angaben, wie viel CO2 bei einem Suchvorgang über die Partner Yahoo und Bing, produziert wird. Demzufolge hofft Ecosia, dass die CO2-Zertifikate und die Bäume, die sie mittlerweile in Burkina Faso pflanzen, ausreichen, um die durch die Suche verursachten Emissionen vollständig auszugleichen.

Mehr Informationen und Aktuelles auf dem Ecosia-Blog.

Großartiger aktueller Artikel zum Thema auch online bei fluter, dem Jugendmagazin der Bundeszentrale für politiche Bildung, von Lukas Wohner: Ecosia: Surfen und Pflanzen

Like/Dislike – braucht Facebook einen neuen „Mitgefühl“-Button?

Das soziale Netzwerk Facebook arbeitet an der Einführung eines Buttons, der es Usern ermöglichen soll, Empathie auszudrücken – wie zum Beispiel bei Posts zur Flüchtlingskrise.

Zuckerberg sprach von „einer Art Dislike-Button“, der in die Testphase gehen soll. Über das Symbol selbst wurde noch nicht entschieden, demnach muss es nicht zwangsweise ein „Daumen runter“ werden und das ist auch gut so. Mit der Einführung des Like-Buttons 2009 konnten positive Meldungen gestärkt werden. Wer anderer Meinung ist, kann geteilte Inhalte bisher ignorieren oder er muss sich die Mühe machen, zu kommentieren. Seit einiger Zeit wünschen sich User zusätzlich zum Like-Button eine Alternative, um andere Gefühle auszudrücken. Zuckerberg reagiert nun darauf und verweist auf die Möglichkeit, mit dem neuen Button z.B. Anteilnahme und andere Emotionen zu zeigen. Dies erscheint etwa dann sinnvoll, wenn der Facebook-Post Inhalte bereithält, die einem zwar nicht gefallen, an denen man aber dennoch teilhat und für die man beispielsweise sein Bedauern ausdrücken möchte.

(Quelle: Süddeutsche: Warum Facebook dem Like-Button einen Bruder gibt)

Der „Daumen nach unten“ oder ein plumpes „Gefällt mir nicht“ wäre hierfür denkbar ungeeignet, daher wird sich Facebook hoffentlich etwas differenzierteres einfallen lassen. Hierzu ein schöner Kommentar von Johnny Haeusler auf Wired Germany. Laut Zuckerberg soll kein Bewertungssystem für Posts entstehen. Man will auch ausschließen, dass die neue Funktion lediglich eine bequeme Möglichkeit wird, sein Missfallen auszudrücken. Online Mobbing, Hater-Posts und Shitstorms sind mittlerweile mehr Regel als Ausnahme und auch Facebook muss sich diesen Phänomenen stellen. Um persönliche Angriffe dieser Art nicht zu unterstützen, darf es keinen reinen „Dislike“-Button geben.

Doch welchen Nutzen hat ein neuer Empathie-Button darüber hinaus? Facebook erfährt dadurch natürlich noch mehr über die Nutzer und deren Interessen. Das Daten sammeln geht weiter und erlaubt es dem Konzern, noch nuanciertere Profile seiner User zu erstellen.

The Ocean Clean Up – Boyan Slats Projekt gegen Plastikmüll in den Ozeanen

Etwa 270.000 Tonnen Kunststoff treiben in den Weltmeeren. Unvorstellbar riesige Müllteppiche verpesten die Umwelt, Tiere verenden daran – und die Experten resignieren. „Das Sammeln von Müll im Meer und am Strand ist aufwändig, kostspielig und erreicht nur einen kleinen Teil des Mülls“, kommentiert etwa das Umweltbundesamt die Problematik. Vielmehr müsse mehr recycelt werden, um zumindest die Meere nicht weiter zu verdrecken. Ein junger Niederländer hingegen arbeitet an der Realisierung des Unmöglichen – der Rettung der Ozeane.

Boyan Slat (21 Jahre alt) verbindet Umweltschutz, Kreativität und Technologie, um die Meere vom Müll zu befreien. „Jede Woche landet Plastik in den Ozeanen, mit dem man zweimal das Empire State Building füllen könnte. Es schädigt das Ökosystem, schädigt die Wirtschaft. Es landet auch in der Lebensmittelkette und schadet damit auch uns. Wir müssen aufräumen bevor es zu spät ist“, warnt Slat. Also entwickelte er ein Konzept, um die Ozeane vom Plastikmüll zu befreien: The Ocean Clean Up.

Der ehemalige Student der Luft- und Raumfahrttechnik an der Technischen Universität Delft erdachte Reinigungsprogramm, bestehend aus 50km langen, V-förmig angeordneten Schläuchen, die an der Meeresoberfläche schwimmen und am Meeresboden durch Gewichte an ihrem Platz bleiben. Schwimmende Netze sammeln 90 Prozent des Plastikmülls ab einer Größe von 20mm ein,da sich die natürlichen Meeresströme ohnehin durch und unter sie durchbewegen. Diese Ströme transportieren den Großteil des Plastikmülls, der sich in den oberen drei Metern der Meere verteilt. Über Container ließe sich der abgeschöpfte Kunststoff einsammeln und würde dadurch nicht noch weiter zu Mikroplastik zerfallen.

Die Idee stellte Slat auch bei den TEDx Talks vor: How the oceans can clean themselves: Boyan Slat at TEDxDelft

Damit gewann er den Best Technical Design Award 2012 an der TU Delft und startete ein Crowdfunding Projekt, um eine Machbarkeitsstudie und Expeditionen zu finanzieren. Im Oktober 2014 erreichte das im Juni desselben Jahres begonnene Crowdfunding durch rund 40.000 Unterstützer die benötigten 2 Millionen US Dollar. Jedoch zeigten sich Schwächen in seiner Planung und das Projekt erfuhr einen Dämpfer. „Neunzig Prozent aller Machbarkeitsstudien zeigen, dass ein Projekt nicht machbar ist. Slats Traum aber lebt noch. Er ist bloß etwas kleiner: Nicht alles Plastik, sondern die Hälfte ließe sich so aus den Meeren fischen. Nicht fünf, sondern zehn Jahre würde das dauern. Und sechs Milliarden Dollar müssen einfach erst mal aufgetrieben werden.“

(Quelle: Süddeutsche Zeitung Magazin)

Auf einer ersten Expedition war Slat bereits. Mit seinem Team ist er mit Schiffen von Hawaii bis San Francisco gefahren und hat Müll gesammelt. „Wir haben während dieser Expedition geschaut, wie viel Plastik wirklich im Meer ist und haben mehr Messungen in drei Wochen gemacht als in den vergangenen 40 Jahren gemacht wurden.“ Die Proben werden aktuell in einem Labor in den Niederlanden untersucht.

Auf seiner Homepage verkündete Slat, dass der Prototyp im zweiten Quartal 2016 vor der Küste Tsushimas, einer Insel zwischen Japan und Südkorea, in Betrieb gehen soll. Mit einer Länge von 2000 Meters wird es die längste, künstliche Struktur auf einem Ozean sein und soll für mindestens zwei Jahre in Betrieb sein.

„Wake Up Call“ – Animationsfilm zum Thema Rohstoff-Verbrauch für die neusten Technik-Gadgets

Habt ihr euch je gefragt woher die Edelmetalle und andere Rohstoffe für das neue Smartphone oder Tablet herkommen? Fühlt ihr euch auch manchmal als würdet ihr in einer Welt leben, in der sich alles nur um Konsum und das neueste aktuelle Produkt dreht? Ein Teufelskreis aus Besitz, geplanter Obsoleszenz, Werbung, die einem immer mehr verspricht und zu weiterem Konsum verführt, um noch mehr (nutzlosen?) Besitz zu generieren. Denkt ihr nach, bevor ihr kauft oder rennt ihr dem neuesten Techniktrend hinterher?

Die Welt ist schnellebig und Trends wechseln schnell. Auch kleine Neuerungen werden häufig als große Innovation verkauft, denn es geht um Umsatz und darum, sein Produkt schneller als der Konkurrent zu platzieren und möglichst schnell etwas Neues anzubieten. Mal über den Verbrauch von Rohstoffen nachdenken und sich vom Fokus auf Konsum freimachen. Sich lieber den wirklich wichtigen Dingen im Leben widmen statt auf kurzfristige Befriedigung zu setzen. Darum geht es in dem animierten Kurzfilm “Wake Up Call” von The Gaia Foundation.

Der Film gibt einen kurzen Einblick über die wahren Kosten von immer mehr Neuproduktionen und übereifrigem Konsum der neuesten Gadgets. Pointiert werden einzelne Stufen der Lebensdauer unserer geliebten Produkte am Beispiel von Smartphones gezeigt – Rohstoffgewinnung, Produktion, Verbrauch und Entsorgung.

Das Video rüttelt auf und appelliert daran, den Kopf einzuschalten. Wir leben in einer Welt, in der das Verständnis für Produktionsbedingungen in anderen Ländern fehlt. Die Waren, die wir kaufen, liegen für uns wie selbstverständlich im Regal. Was zählt ist das hübsch verpackte Produkt, das unser Begehren weckt. Doch das Bewusstsein darüber, woher das Gerät kommt und was alles vorangegangen sein muss, um es so anzubieten, fehlt häufig. Unser Kaufverhalten blendet somit die wahren Kosten aus. Wir nehmen gar nicht wahr (und sollen es vielleicht nicht wahrnehmen), dass Rohstoffe anderer Länder ausgebeutet werden, dass die Produktionsbedingungen gefährlich und schlecht sind, dass die Müllberge immer weiter wachsen. Wir entfernen uns durch so ein Verhalten immer weiter von der Erde – unserem Lebensraum – und schlimmer noch, wir zerstören ihn. Es ist Zeit, umzudenken und sich Maßnahmen zu überlegen.

„Wake Up Call“ umreißt also kurz die Probleme, die mit der Produktion unserer schönen glänzenden Technik einhergehen: Umweltzerstörung, Lohnsklaverei, aggressive Werbung in den Medien und verpackt alles in Konsumkritik. Auf den Punkt.

Zum Weiterlesen hier die Homepage der Gaia Foundation mit Sticker-Aktion, um Bewusstsein für das Thema zu schaffen.

“Anyone who believes in infinite growth on a finite planet is either mad or an economist.”
– D. Attenborough